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ORF-Interview: Amazon – der Gigant im Online-Handel

Fragt man nach den besten Webshops im Internet, lautet die Antwort oft: Amazon. In der Sendung heute konkret erörterte auch der ORF das Thema. Wieso ist Amazon so erfolgreich? Gibt es auch Schattenseiten? In Diskussionen wird es beim Thema Amazon schnell kontroversiell: Die einen reden vom bequemsten, besten Webshop. Die anderen von der Vernichtung des Einzelhandels und wenig erstrebenswerten Arbeitsplätzen. ORF-Journalist Marvin Wolf interviewte mich zu beiden Seiten und es war interessant, abwechselnd die Pro- und Contra Position einzunehmen.

Was spricht für Amazon?

Unbestritten stehen bei Amazon die User im Blickfeld. Der Internet-Gigant tut alles, um das Einkaufserlebnis einfach und schnell zu gestalten. Das Sortiment ist riesig. Sehr viele kaufrelevante Suchanfragen starten heute nicht mehr in klassischen Suchmaschinen, sondern direkt bei Amazon. Amazon-Gründer Jeff Bezos reinvestiert alle Gewinne in Wachstum. Amazon verfügt heute über die beste Logistik, die stärksten IT-Ressourcen (Amazon Web Services, AWS), eigene Flugzeug- und LKW-Flotten und schaffte mit Shopping-App, Prime, Echo & Co direkt auf das Mobiltelefon und in die Haushalte. Und Amazon Go wird mit Supermärkten ohne Registrierkasse auch den Einzelhandel weiter beeinflussen. Über das Design lässt sich diskutieren und rechtliche Rahmenbedingungen wie zB die korrekte Auszeichnung der Umsatzsteuer waren manchmal verbesserungswürdig. Aber das Einkaufen funktioniert für Privatpersonen wie Firmen sehr gut. Und alle anderen Online-Händlerinnen und Händler werden an dieser Latte gemessen.

Gibt es Schattenseiten bei Amazon?

Eine Menge. Die Marktmacht ist erdrückend. Der Konzern setzt Händler durch harte Vereinbarungen (Stichwort Score-Card) unter Druck. Besonders, wenn sie erfolgreich werden. Funktioniert etwas gut, kommen Eigenprodukte. Selbst wenn die in Städten wegfallenden Arbeitsplätze im Einzelhandel an anderer Stelle (im Amazon-Lager) wieder entstehen: Bessere Arbeitsplätze sind das wohl nicht. Streiks in deutschen Logistikzentren zeigen das Konfliktpotential. Und Steuer werden im Vergleich zu den substituierten Einzelhändlern viel weniger gezahlt. Und die wenigen meist nicht dort wo die Geschäfte getätigt werden. Die immer bessere Anpassung der Angebote an unser Verhalten könnte auch als Überwachung und Vereinnahmung aufgefasst werden.

Was sollte man als Webshop-Betreiber tun?

Ob man über Amazon verkaufen soll, muss im Einzelfall genau geprüft werden. Große Absatzchancen stehen großer Abhängigkeit ohne Garantien gegenüber. Sorgen um das Markenimage, die Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen oder ganz nüchtern Margenprobleme sind weitere Aspekte. Unabhängig davon schafft Jeff Bezos durch die Bekanntheit seines Webshops Fakten, an denen man nicht vorbeikommt. Online-Shopper sind den Service gewohnt. Und sie lieben Rezensionen. Man kann sich daher an gewissen Standards orientieren. Aber nur als Grundlage, um dann abgestimmt auf die eigene USP zu versuchen, ein noch besseres Spezialangebot für seine Zielgruppe zusammen zu bekommen. Wenn im Land verfügbar, kann die Nutzung von Amazon Pay/Checkout by Amazon auf der eigenen Website überlegt werden. Dies reduziert den Checkout auf wenige Klicks. Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Amazon ist stark, der Markt ist aber groß und wenn man seine Idee nachhaltig verfolgt, steht dem Online-Erfolg nichts im Wege. Nur wenn Kunden keine Antwort einfiele, wozu man einen bestimmten Händler eigentlich brauchte, würde es ernst. Aber das war eigentlich nie anders.

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