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Meet Magento #6.12 in Leipzig

Vom 21. Mai bis 22. Mai 2012 fand in Leipzig die bereits sechste Ausgabe der Magento-Community-Veranstaltung Meet Magento statt. Nachdem ich bisher beim Hackathon und der Innovate schon gute Erfahrungen machen durfte, war ich besonders gespannt auf die Meet Magento. Schließlich ist dort die geballte deutschsprachige Community-Power vertreten. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Tag 1

Am Vorabend hatte sich eine große Runde im Spizz getroffen, um sich bei Wein & Gesang kennen zu lernen bzw. wieder zu begrüßen (so stelle ich es mir zumindest vor ;-)). Da mein Flug am Sonntag leider abgesagt wurde, landete ich erst Montag Früh in Leipzig und habe dieses Event verpasst. Dafür machte ich mich nach dem Check-in im Novotel Hotel gleich auf den Weg zum nahegelegenen Westin Leipzig, in dem die Konferenz untergebracht war, um die Zeit bestmöglich zu nutzen.

Zum Glück begann die Eröffnungsrede erst um 11 Uhr. So waren 2 Stunden Zeit, um zu frühstücken, alte Bekanntschaften aufzufrischen, neue zu schließen und die diversen Stände zu besuchen. Neben Hostern (z.B. internet24) und Zahlungsanbietern (z.B. Skrill, ogone, PAYONE, sofortüberweisung.de) waren Logistiker, Shop-Such-Spezialisten (exorbyte Commerce search, FACT Finder), PIM-Spezialisten und viele mehr vertreten, um ihre Dienste und Produkte anzubieten. Hier gab es einige interessante Konzepte, die sich zum Teil auch für österreichische Shops nutzen lassen.

Keynote

Bei der Keynote, diesmal abgehalten von Bas Nawijn (Head of Sales, EMEA), wurde wie üblich die Geschichte von Magento abgespult und auf die verschiedenen Komponenten des Magentoversums (Connect, Go, Solution Partner, Certification etc.) eingegangen. Etwas frischer Wind wäre hier gut. Wer mehr als einmal auf einer Magento-Konferenz war, kann die Texte schon beinahe mitsprechen und fühlt sich gelangweilt. Natürlich muss man Erstbesucher auf einer Keynote „abholen“, aber das wäre anders auch möglich.

Neben den üblichen Fakten gab es ein paar Zahlen, die ich noch nicht gehört habe. So werden mit „Magento U“ Schulungen in 12 Ländern abgehalten. Aktuell sind schon über 25.000 Registrierungen eingegangen. Das umfasst – nehme ich an – auch die On-Demand-Videoschulungen. Die Magento Developer Certification haben bisher „hunderte“ durchgemacht – gar nicht so viele, wie ich gedacht hätte. Ebenfalls selten erwähnt ist die Magento Expert Consulting Group, die mit besonderen Anfragen befasst werden kann und die bisher ca. 100 Engagements hatte.

Besonders schön war, dass Magento-Mitbegründer Yoav Kutner kurz auf die Bühne trat. Er ist zwar nicht mehr bei Magento an Bord, fühlt sich aber der Community immer noch so verbunden, dass er einen Abstecher nach Leipzig gemacht hat. Wir Entwickler haben es ihm auch gedankt und uns zahlreich auf einem Geschenkplakat für Yoav verewigt.

Danach übernahm Vinai Kopp das Mikro. Er erzählte, dass für die Enterprise Edition 1.11 eine Performance-Studie durchgeführt wurde und dabei mit 4.300 Requests pro Sekunde bedient sowie 500.000 Testbestellungen pro Tag durchgeführt werden konnten. Als Hardware kamen 2 Webserver, 1 Datenbank-Server und ein Memcached-Server zum Einsatz. „So viel dazu, dass Magento nicht schnell sein kann“, war Vinais Bemerkung dazu. Ein Whitepaper erscheint in den nächsten Wochen und beschreibt die Konfiguration genauer.

Danach ging Vinai auf die neuen Features der EE 1.12 ein und leitete zu Magento 2 über, das nun für das erste Halbjahr 2013 terminisiert wurde. Man wird sehen, ob der Termin zu halten sein wird.

Wer sich genauer informieren möchte, kann sich die Keynote in absehbarer Zeit auf der Website ansehen.

Vorträge

Ich habe traditionell die meiste Zeit bei den Präsentationen im Entwicklerraum verbracht. Den Anfang machte hier Bastian Ike mit dem Thema Sicherheit in Magento. Darauf hatte ich mich sehr gefreut, denn Basti ist ein großartiger Typ und hält interessante Vorträge. Nur war ich halt noch nie live bei einem dabei. Den Punkt hätte ich somit abgehakt. Bastian arbeitet auch daran, dass Magento seine Sicherheitspolitik noch verbessert und z.B. bei Security-Fixes mehr Informationen bereitstellt.

Im Anschluss sprach Marko Seeland darüber, wie man das Magento-Framework als Basis für eine serviceorientierte Architektur verwendet. Im vorgestellten Projekt wurde Magento für einen großen Teil der Funktionalität genutzt (z.B. das User-Management und das Backend), doch an anderen Stellen wurde kräftig geschraubt. Zum Beispiel wurde das gesamte Sales-Modul bis auf die Quotes durch eine eigene Lösung ersetzt, um den speziellen Anforderungen gerecht zu werden. Dieser Ansatz ist für bestimmte Anwendungen sicher sinnvoll, da Magento bereits eine Menge Hirnschmalz in die oben genannten Grundlagen investiert hat. Für spannend halte ich die Frage, wie gut das System bei dieser Vorgehensweise updatebar bleibt, wenn sich Core-Funktionalitäten und -Abhängigkeiten in den Modulen stark ändern.

Nach der Mittagspause ging es mit meiner nächsten Live-Premiere weiter, und zwar mit einem Vortrag von Fabrizio Branca zum Thema „High Performance Multi-Server Magento in der Cloud„. Was das Team hier für den Angry-Birds-Shop auf die Beine gestellt hat, hat mich sehr beeindruckt. Wer sich für skalierbare Systeme und High-Performance-Anwendungen interessiert, sollte sich das Video zu diesem Beitrag ansehen.

Im Anschluss daran gab es ein Performance-Panel, in dem zuerst eine Caching-Lösung mit Varnish vorgestellt und dann die MySQL-Replikation vorgestellt wurde. Anschließend gab es noch Diskussionen z.B. um Redis als alternatives Caching-Backend und die Vorzüge/Nachteile verschiedener Implementationen von ESI-Blöcken in Verbindung mit Varnish.

Um auch die anderen Tracks kennen zu lernen, besuchte ich im Konferenz-Saal einen der wenigen englischsprachigen Vorträge. Roger Willcocks sprach über 50+ Tipps zur Steigerung der Besucherzahlen und Konversionsraten. Die Präsentation war unterhaltsam, auch wenn mir die allermeisten Vorschläge schon bekannt waren.

Nach einem Kurzbesuch bei einem Panel rund um Magento-Erweiterungen im Business-Raum landete ich doch wieder bei den Entwicklern. Dort gab es nämlich ein letztes spannendes Thema, das automatisierte Testen von Websites mit Selenium. Es ist immer wieder interessant zu hören, wie Andere an die Sache herangehen. Da ich nur einen Teil der Präsentation gehört habe, werde ich mir auch hier das Video ansehen.

After-Party

Damit war der erste Konferenztag auch schon wieder vorbei – fast, denn am Abend stand ja noch die After-Party im oberen Keller der Moritzbastei an. Die Gewölbe erzeugen eine nette Atmosphäre und ziehen sich über mehrere Ebenen hinweg. Kein Wunder, dass alle in den vergangenen Jahren so davon geschwärmt haben. Für genug Essen und Musik war auch gesorgt. Aufgeheizt durch hunderte Magentos wurd es dort aber dann doch etwas warum bzw. laut. Auch das war kein Problem: dieses Jahr haben wir sehr schönes Wetter erwischt und so verlagerte sich die Party immer mehr nach draußen an die frische Luft. Um kurz nach Halb drei war Schluss und das war auch gut so, denn wir sollten am nächsten Tag ja wieder fit sein.

Tag 2

Montag war der Konferenz-Saal dank der 550 Teilnehmer prall gefüllt. Nachdem nun am zweiten Tag noch 10 Minuten zugewartet wurde, war der Saal zwar auch gut besucht, doch ganz so viel war nicht mehr los. Böse Zungen würden das auf die Party schieben. Vielleicht lag es aber auch daran, dass die meisten Teilnehmer den Inhalt der zweiten Keynote schon zu gut kannten: gesprochen wurde über eBay, x.Commerce, PayPal und alles, was man sonst so im eBay-Universum vorfindet.

So wirklich spannend wurde der zweite Tag deswegen erst mit dem Barcamp. Nach einer Präsentation von Jirafe (einem Tracking-Tool, das es in einer kostenlosen und bald in einer kostenpflichtigen Variante gibt) stellten Rouven Rieker und Alexander von Studnitz German Setup vor, eine Erweiterung, die Magento fit für die Verwendung in Deutschland macht. Großartigerweise haben die Jungs noch am selben Nachmittag österreichische Steuersätze eingebaut. Das kann bereits auf Github getestet werden. Im Gegensatz zu Extensions wie Market Ready Germany ist das Ziel, möglichst geringfügige  Veränderungen im Vergleich zur normalen Magento-Installation vorzunehmen.

Anschließend wurde von zwei Kollegen eine Lösung gezeigt, mit der Übersetzungen der Shoptexte direkt in Excel vorgenommen werden können. Dabei werden die CSV-Dateien automatisch am Server erstellt, womit Shopbetreiber selbstständig arbeiten können und nicht auf die manchmal problematische Inline-Übersetzung zurückgreifen müssen. Diese Lösung soll kostenlos verfügbar gemacht werden. Dieses Feature ist zudem nur Teil einer größeren Entwicklung, die das Bearbeiten des Produktkatalogs direkt in Excel ermöglicht. Coole Idee. Wenn das so gut funktioniert wie in dem Video, das ich gesehen habe, ist diese Lösung für Händler eine Option, die nicht auf ihre heiß geliebten Excel-Listen verzichten möchten.

Als Nächstes kam es zu einer Gruppendiskussion um Mage+. Dabei handelt es sich um einen Fork, das heißt eine Abspaltung des normalen Magento-Projekts. In diesem Fall ist die Quelle die aktuelle Community-Edition (1.7.0.0). Das Community-Projekt möchte Fehler darin beheben und neue Features einführen.

Das Projekt polarisiert. Befürworter argumentieren, dass so schneller auf Fehler reagiert und das Shopsystem um neue Features erweitert werden kann, als es beim offiziellen Magento der Fall ist. Argumente der Gegenseite sind, dass der Wartungsaufwand für neue Versionen zu groß sein wird, das Erstellen/Einbringen von Patches zeitaufwändig sein kann und hinter der Qualitätssicherung des Projekts ein großes Fragezeichen steht. Zudem wird Magento wohl kaum Patches aus diesem Projekt integrieren, vermutete Damian Luszczymak.

Leider wurde die Diskussion dann zugunsten der zwei letzten Barcamp-Themen abgebrochen. Nachher haben viele bedauert, dass das Gespräch nicht fortgeführt wurde. Wenn alle so interessiert waren, frage ich mich allerdings, warum so wenige Hände in der Luft zu sehen waren, als darüber abgestimmt wurde.

Meine persönliche Hoffnung ist, dass Initiativen wie Mage+ Magento Inc. zu einer weiteren Öffnung des Entwicklungsprozesses bringen, in dem Features und Bugfixes der Community stärker berücksichtigt werden. Mit dem Entwicklungsprozess von Magento 2.x wurde ein Schritt in die richtige Richtung getan. Nun muss man sehen, wie es weiter geht.

Der vorletzte Beitrag von NetResearch befasste sich mit dem schnellen Aufsetzen von Testinstallationen. Das dazugehörige Skript Jumpstorm ist bei Github verfügbar und wird über eine ini-Konfiguration bzw. die symfony-Konsole gesteuert. Von mir gibt es für diesen Einsatzzweck MageSpawner, wobei die Entwickler z.B. schon die Installation von Plugins oder das Vorbereiten für Unit-Tests eingebaut haben, was ich sehr gut finde. Vor allem Ersteres steht auf meiner Todo-Liste und wird irgendwann auch seinen Weg in MageSpawner oder Phing-Magento-Installer finden, einen von mir sehr geschätzten MageSpawner-Ableger für das Build-Tool Phing.

Und dann, zum Abschluss, gab es einen recht spontanen Vortrag zur Umsetzung des Magento-Frontends komplett mit Ajax. Die Frage, warum man das macht, war wohl im Großen und Ganzen mit „der Kunde wollte es so“ zu beantworten. Eine tolle Sache, dass sie das durchgezogen haben und gut zu wissen, dass das auch machbar ist.

Das Barcamp war für mich ein weiteres Highlight der Veranstaltung. Beim nächsten Mal darf es gerne länger ausfallen. Vielleicht präsentiere ich dann auch etwas. ;-)

The good, the bad and the ugly

So viel also zum Inhalt der Konferenz. Aber wie war sie nun, die Meet Magento #6.12?

The good:

 The bad:

The ugly:

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