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Mage Titans 2018 in Manchester: PWA und mehr

Die SpeakerInnen der Mage Titans 2018 in Manchester. (c) magetitans.com

Meine letzte Konferenz in diesem Jahr war die Mage Titans in Manchester. Während die Magento Live das offizielle Riesen-Event für die gesamte Branche ist und die Mage Unconference stark auf den Austausch und das familiäre Gefühl abzielt, ist die Mage Titans eine kurze und knackige Konferenz mit hochkarätigen Vortragenden.

In den letzten Jahren habe ich die Mage Titans vor allem TechnikerInnen empfohlen. Positiv aufgefallen ist mir dieses Jahr, dass sich dieses eintägige Format etwas geöffnet hat und nun auch Nicht-TechnikerInnen Einiges bietet.

Ankunft

Die Mage Titans im Herbst ist nicht nur wegen der Konferenz eine Reise wert.

Ich war bisher nur im November hier, aber irgendwie passt dieser Monat zur Stadt besonders gut. Die Bäume strahlen noch in den buntesten Herbstfarben und machen sich mit den Backsteinbauten sehr gut. Das berühmte englische Regenwetter hat mich bisher immer verschont, auf einen Tag mit etwas Nieselregen folgte stets Sonnenschein. Seit meinem letzten Besuch vor zwei Jahren sind eine Menge neue Baustellen entstanden und Wolkenkratzer schießen empor. Es tut sich also jede Menge in dieser Stadt, die wegen ihrer vielen StudentInnen sowieso schon recht quirlig wirkt.

Nach meiner Ankunft am Flughafen von Manchester (die Anreise ist dank Direktflug unkompliziert) quartierte ich mich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs ein. Das Motel One Manchester-Piccadilly erweist sich regelmäßig als guter Tipp, da es über eine gute Anbindung und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis verfügt. Ich konnte dort auch ungestört arbeiten, bis es Zeit wurde die Magento-Community zu treffen.

Dev Exchange

Am Freitag Abend begann nämlich mit dem Dev Exchange bereits das Vorprogramm zur Konferenz. Am Weg zum Büro von Space 48, in dem dieses Treffen stattfand, konnte ich so richtig in Manchester ankommen. Dazu gehört natürlich auch die Pub-Atmosphäre, und so traf ich in einem der gemütlichen Manchester-Lokale FreundInnen aus dem Magento-Event-Wanderzirkus, darunter Andreas, Jisse, Karen und Sonja.

Gemeinsam legten wir also die letzten gemeinsamen Schritte zum Büro der 48ers zurück, das wirklich sehr schick ist, wie man in ihrem Twitter-Account sehen kann.

Das Büro von Space 48, in dem der Dev Exchange stattfand.

Dort angekommen ging es auch schon los. Ein beträchtlicher Anteil der Konferenz-TeilnehmerInnen tauschte sich über drei Stunden in zwei Runden zu vorgegebenen Themen aus:

  1. Erfahrungen aus der Migration von Magento 1 zu Magento 2
  2. Deployments
  3. Integrationen mit Magento bauen
  4. Remote Working
  5. Training

Jedes dieser Themen wurde an einem Tisch abgehandelt und wurde von einer Person moderiert. Man konnte entweder beide Sessions am gleichen Tisch verbringen oder wechseln.

Ich nahm in Runde 1 an der Diskussion zu Erfahrungen aus der Migration von Magento 1 zu Magento 2 teil. Spannend – und zugleich gut und schlecht – war, dass die gleichen Herausforderungen immer wieder auftauchen. Gut, weil man nicht alleine ist. Schlecht, weil es leider keinen heiligen Gral gibt, der zur Lösung verhilft.

In Runde 2 tauschten wir uns zu Deployments aus. Allerdings verlagerte sich das Gespräch recht schnell weg vom Thema Deployment, das man im Großen und Ganzen als „erledigt“ betrachten kann, da sich in den letzten Jahren die Best-Practices weitgehend herausgebildet und durchgesetzt haben. Daraus wurde recht schnell ein Austausch unter DevOps-Leuten, in dem wir aus dem Nähkästchen geplaudert und uns Tipps gegeben haben.

Ich ließ den Abend gemütlich in einem netten Gespräch mit den Jungs von netz98 ausklingen, bevor sich alle (wirklich!) dizpliniert auf den Weg zurück ins Hotel machten, um an nächsten Tag fit für die Konferenz zu sein.

Die Konferenz

Gleich vorab: das Mage-Titans-UK-Team ist dank der mehrjährigen Erfahrung sehr gut eingespielt und hat wieder ein tolles, atmosphärisches Event abgeliefert. Dazu trägt natürlich der Comedy Store bei, der schlichtweg ein einzigartes Ambiente für eine Konferenz bietet.

Wenn man etwas kritisieren möchte, dann vielleicht, dass es aufgrund der Örtlichkeit immer wieder zu Warteschlangen kommt, z.B. bei der Registrierung oder beim Essen. Auf der anderen Seite sind die Briten gut im Schlange stehen, wie man aus diversen Klischees weiß. ;-) In Sachen Diversität hat die Mage Titans noch etwas Luft nach oben. Insgesamt kamen die meisten TeilnehmerInnen aus dem Vereinigten Königreich und Deutschland. Ansonsten mischten sich gefühlt nur wenige Gäste aus anderen Ländern unter’s Volk. Auch Frauen waren, wie häufig bei als techniklastig bekannten Konferenzen, unterrepräsentiert. Man erkennt einzelne Bemühungen (es gibt einen Code of Conduct; 2 von 14 Speakern waren weiblich), aber insgesamt geht da sicher noch etwas.

Der Comedy Store in Manchester ist der Austragungsort der Mage Titans UK.

Zuletzt: mehrere Tage müsste man in den Stühlen des Comedy Store ebenfalls nicht sitzen. Für den Anwendungsfall aber ist die Location in Manchester wahrscheinlich konkurrenzlos: ein kleines, fokussiertes Event, über einen Tag, mit einem Track, und das ganze familiär und cool zugleich. Ebenfalls grandios: es wird mit der Veranstaltung kein Geld gemacht. Der Gewinn geht an wohltätige Zwecke, in diesem Jahr die Royal Manchester Children’s Hospital Charity. Trotz der paar Kritikpunkte finde ich: die Mage Titans UK ist ein gelungenes Event.

Sie können die gesamte Konferenz in Bild und die Talks in Video nacherleben. Für alle Anderen fasse ich einige Vorträge kurz zusammen.

Open Source Community and Reverse Mergers

Nachdem Haupt-Organisator Tony Brown und MC Phillip Jackson die Mage Titans eröffnet haben, war Matt Asay von Adobe der erste Redner.

Er betonte, wie sich der Stellenwert von Open Source in der Welt und der Wirtschaft verändert hat. Beeindruckender Beleg dafür ist, dass Unternehmen Anfang November im Jahr 2018 bereits 60 Milliarden für die Übernahme von großen Software-Unternehmen gezahlt haben.

Interessant war unter anderem wie Matt die EntwicklerInnen adressiert. So zeigte er, dass Adobe die „Developer Experience“ wichtig ist. Zum Beispiel wird daran gearbeitet, die TTFHW („Time to First Hello World“) so weit wie möglich zu reduzieren. Das hilft, EntwicklerInnen abzuholen wenn sie Neues ausprobieren, anstatt sie zu frustrieren. Das erklärte Ziel sind eine TTFHW von 5 Minuten.

Fazit: Adobe kennt den Stellenwert von Open Source und den Wert der Magento-Community. Open Source ist ein Asset und nicht nur etwas, was man kauft und dann abdreht.

Re-Engineering Magento 2 extensions for PWA/GraphQL

Karen Baker begann ihren Talk mit einer Entschuldigung. In ihrem PWA-Talk ginge es eigentlich nicht um PWA. Irgendwie stimmte das, und irgendwie war das gut so.

Mit PWA ist es nun einmal so: PWA oder in Langform Progressive Web App ist ein Sammelbegriff. Hinter dem Sammelbegriff stehen Praktiken und technologische Grundlagen, die eine PWA nach allgemeinem Verständnis ausmachen.

Doch spricht man über PWA, dann macht man gezwungenermaßen ein weites Themenfeld auf. Und Karen griff einen Aspekt heraus: wie man eine Extension durch die Entflechtung von Abhängigkeiten („decoupling“) verbessert. Wer von PWA spricht, meint momentan häufig nur die Trennung von Backend und Frontend. Das ist ein Teil einer PWA, aber es ist nicht *die* PWA.

Karen erzählte entlang der Geschichte ihrer Unternehmenn WebShopApps/ShipperHQ, wie die Extension-Architektur in mehreren Schritten verbessert wurde (und wird) und landete schließlich in der Welt der modernen PWA-Technologien von GraphQL, Apollo und co.

Fazit: Entkopplung ist der Weg für die Zukunft. Frontend und Backend sollen voneinander losgelöst arbeiten, die Business-Logik sollte möglichst unabhängig von Magento 2 bestehen.

Becoming Certified

Vinai Kopp bei der Mage Titans in Manchester. (c) magetitans.com

Vinai Kopp gab in der nächsten Session Tipps zur Magento-2-Zertifizierung. Natürlich wurden keine Prüfungsfragen verraten. Vinai zeigte stattdessen anhand von realistischen Fragen, worauf bei der Zertifizierung Wert gelegt.

Für Magento 1 war vor allem Auswendiglernen angesagt. Mit Magento 2 kommt es viel mehr darauf an, die Prinzipien zu verstehen. Es gibt auch keine Trickfragen. Trotzdem ist die Prüfung schwerer als früher. Man muss nämlich nicht nur die Prinzipien verstehen, sondern auch wissen, was die gewünschte unter mehreren prinzipiell richtigen Antworten im jeweiligen Kontext ist. Wird in der Frage betont, dass die Wartbarkeit für die korrekte Lösung eine wichtige Rolle spielt, dann wird nicht die schnelle Lösung wahrscheinlich nicht die gewünschte sein. Und so weiter.

Zum Abschluss gab es von Vinai ein paar allgemeine Tipps à la:

Fazit: die neue Zertifizierung ist praxisnäher und aussagekräftiger als unter Magento 1, gleichzeitig etws schwieriger. G

Adding React to the Current Knockout Frontend

Jisse Reitsma, der stark in den PWA-Bemühungen rund um Magento 2 involviert ist, sprach diesmal nicht über PWA. Stattdessen half er uns, React (das Framework, das in Magentos PWA-Ansatz verwendet wird) in das aktuelle Frontend-Setup einzubauen. Anhand des Miniwarenkorbs zeigt Jisse, wie man eine Komponente auf React umstellt. Den Beispiel-Code finden Sie auf GitHub und die Präsentation auf seiner Website.

Fazit: wer bereits einen Magento-2-Shop mit dem „alten“ Frontend hat und keinen kompletten Design-Relaunch hinlegen will, kann mit ein paar Tricks einzelne Komponenten auf die modernen Technologien umstellen und das Frontend so Stück für Stück modernisieren.

How to Build a Magento Developer Dream Team

Ignacio Riesco teilte in einem persönlichen und ehrlichen Talk seine Erfahrung aus 20 Jahren Unternehmertum mit unterschiedlichen Firmen. Für mich war der Talk sehr interessant, weil ich mich als Technical Lead mit vielen Themen beschäftige, die Ignacio angesprochen hat.

Woraus ergibt sich der Wert eines Unternehmens, z.B. einer Agentur? Natürlich auch den KundInnen die es hat, aus den Produkten das es vertreibt – aber auch aus dem Team. Besonders im Magento-Bereich sind EntwicklerInnen sehr schwer zu finden. EntwicklerInnen sind nicht nur die, die Code schreiben. Alle, die helfen Software zu liefern sind EntwicklerInnen.

Um ein gutes Team aufzubauen, muss man ihm zu „Growth“ verhelfen. Der englische Begriff sagt für mich mehr aus als eine bloße deutsche Übersetzung, denn es umfasst nicht nur das Wachstum im Sinne von mehr Angestellten, sondern es beinhaltet auch den persönlichen und fachlichen Reifungsprozess.

Ignacio nahm kein Blatt vor den Mund und verriet im Fragen-und-Antworten-Teil, welche Fehler aus der Vergangenheit er nicht mehr begehen möchte. Er wollte nicht unbedingt, dass alles davon in den Videos aufscheint – ob das berücksichtigt wurde, können Sie in der obigen verlinkten Video-Playlist nachsehen. ;-)

Fazit: neben den Kunden und den Produkten ist das eigene Team ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine Firma. Wichtig ist, dass man das Team dabei unterstützt zu lernen, zu wachsen, zusammen zuarbeiten, Probleme gemeinsam zu meistern und Erfolge gemeinsam zu feiern.

Fazit

Die SpeakerInnen der Mage Titans 2018 in Manchester. (c) magetitans.com

Auch der Rest der Talks war sehens- und hörenswert. Schnuppern Sie einfach in die Video-Playlist bei YouTube hinein. Die Mage-Titans-Events werden mit jedem Jahr besser und sind bereits eine Institution in der Magento-Welt geworden. Daher hoffe ich, bald wieder eine der bereits sechs Ausgaben besuchen zu dürfen.

PS: warum der Blogpost „PWA und mehr“ heißt? Das entstand aus einem Running-Gag während der Konferenz. Im Vorfeld der Konferenz hatte sich eine WhatsApp-Gruppe unter anderem mit den meisten SpeakerInnen gebildet. Nachdem es einen PWA-Talk gab und die „Sorge“ bestand, dass der Buzzword-Talk alle Aufmerksamkeit auf sich bezieht, machten sich die Vortragenden einen Spaß daraus, in jeder Präsentation irgendwie den Begriff PWA unterzubringen, um etwas vom „Fame“ abzubekommen – egal wie weit das Thema von PWA weg war. :-)

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