LimeSoda Blog

Ich hätte gerne einen Online-Shop!

Diese Art von Anfrage, meist noch garniert mit „Was kostet das?“ erhalten wir bei LimeSoda mehrmals pro Woche. Leider steht sonst oft nur der Name dabei. Ich versuche das dann immer positiv zu sehen und rechne es unserer Suchmaschinenoptimierung zu. Wenn man öfter vorne aufscheint, erhält man wohl auch zahlreichere Anfragen vom Beginn der Recherche-Kette.

Inhaltlich gleicht dies natürlich einer „Was kostet ein Auto“-Anfrage beim Autohändler oder einer „Ich will auf Urlaub fahren, was kostet das?„-Erkundigung. Selbstverständlich gehört Beratung zu den Aufgaben einer Agentur und niemand erwartet, dass Kunden bereits mit fertigem Lastenheft kommen. Aber die Eröffnung eines Online-Shops gleicht eher der Eröffnung eines normalen Geschäftslokals mit all ihren Herausforderungen als dem Zukauf von Kopierpapier, wie es Anfragen der besprochenen Art eher suggerieren.

Ich darf noch vorausschicken, dass wir bei LimeSoda bestimmt nicht auf „Out-of-the-box“-08/15-Shops mit Standard-Theme und Standard-Features spezialisiert sind. Für diese Shops, die für viele Anwendungen reichen, gelten die Aussagen in diesem Artikel nicht.

Eine klassische Filiale

Wir haben vielmehr die Erfahrung gemacht, dass im Zuge der Planung des Online-Shops oft erst wichtige Geschäftsabläufe geschaffen, geändert oder zumindest optimiert werden müssen. Stichwort Warenwirtschaft. Wenn ich nun ein normales Gassengeschäft eröffnen will, muss ich mir (zumindest) über folgende Dinge den Kopf zerbrechen?

Kostentreiber bei einem Online-Shop

Wie schon erwähnt gibt es auch bei Online-Shops wesentlich mehr zu bedenken, als man auf den ersten Blick denkt. Aus meiner Erfahrung bestimmen vor allem vier Haupt-Faktoren die Kosten:

  1. Die Shop-Software/Lizenz
  2. Das Design
  3. Die Anbindung an die Warenwirtschaft
  4. Die Shop-Features

Im Folgenden darf ich meine durchaus subjektive Einschätzung zu diesen Punkten geben, wobei ich mich dabei auf Erfahrung aus unseren Shop-Projekten bei LimeSoda beziehe:

Die Shop-Software/Lizenz

So, dies ist kein Shop-Software-Vergleichsartikel. Wir haben viel recherchiert, einiges ausprobiert und aus heutiger Sicht ist die Community-Edition von Magento unsere Empfehlung für die Umsetzung von Online-Shops. Aber ganz allgemein beeinflusst die Wahl der Shop-Software die Kosten wohl auf drei Arten:

  1. Wie hoch sind die Anschaffungskosten, die an den Shopsystem-Hersteller zu bezahlen sind?
  2. Wie hoch ist der grundsätzliche Implementierungsaufwand?
  3. Wie hoch sind die laufenden Gebühren für Lizenz und Hosting und wie viele Unternehmen gibt es, die zu welchem Stundensatz die Wartung machen könnten?

Am Beispiel Magento in der Community-Edition gibt es zB keine einmaligen oder laufenden Lizenzgebühren und da es eine weltweit verbreitete Open Source Software ist, stehen viele Unternehmen bereit, welche die Wartung übernehmen können. Dafür ist der Implementierungsaufwand aufgrund des komplexen Aufbaus von Magento sicher höher als bei anderen Shopsystemen.

Das Design

Natürlich kosten rote Shops gleich viel wie bunte oder schwarz-weiße. Aber es macht einen riesigen Unterschied, ob ein Shop mit einem Standard-Theme umgesetzt wird oder ob ein komplett eigenständiges Design gestaltet und hineinprogrammiert werden soll. Warum ist das eigentlich so? Ganz einfach: Nimmt man das mit dem Shop ausgelieferte Standard-Theme oder eines der oft gratis oder sehr günstig erhältlichen, fertigen Themes, entfallen diese Aufwände:

Wenn man nun weiß, dass Online-Shops inkl. Check-Out-Prozess und E-Mails aus dutzenden Templates bestehen, wird klar, dass die Anpassung eine Menge Arbeit bedeutet. 100% mehr Aufwand als ohne Custom-Design sind sicher keine Besonderheit.

Die Anbindung an die Warenwirtschaft

Professionelle Online-Shops kommen meist nicht ohne Schnittstelle zu einer Warenwirtschaft aus. Dabei ist die Warenwirtschaft in der Regel auch das „führende“ System. D.h. im Online-Shop selbst wird (fast) nichts verwaltet. Produktinformationen, Lagerstände, Kategorien usw. kommen alle aus der Warenwirtschaft und Verkäufe werden auch sofort wieder dorthin exportiert. Auch die Rechnungslegung erfolgt aus dem ERP-System. Klingt vielleicht einfach, ist es aber nicht. Jedes Zusatzfeld, das vielleicht aus Marketinggründen im Online-Shop benötigt wird, muss nun in Shop, Schnittstelle und Warenwirtschaft eingefügt werden. Dabei sind außer dem Kunden oft drei Unternehmen involviert, was die Kommunikation nicht vereinfacht.

Wir hatten bei unseren Projekten beispielsweise schon mit Anbindungen zu Sage Office Line, Mesonic oder ETRON zu tun. Im Vorfeld sollte unbedingt geprüft werden, ob bereits eine Schnittstelle zwischen eigener Warenwirtschaft und geplantem Shop-System verfügbar ist. Falls beides angeschafft werden muss, sollte die Schnittstelle ein Entscheidungskriterium sein.

Je nachdem, ob schon fertige Software vorhanden ist und ob man mit den Standard-Features auskommt, wird man mit Kosten von 2.500 bis zu 15.000+ Euro rechnen müssen. Nach oben gibt es wie überall natürlich keine Grenze.

Dieses Thema wird auf jeden Fall regelmäßig grob unterschätzt. Wir sind da mittlerweile sehr spezialisiert, aber dorthin war es ein harter Weg :)

Die Shop-Features

Last but not least der Punkt, der InteressentInnen noch am ehesten einleuchtet. Welche Features benötigt der Shop? Dazu lohnt es sich zuerst mal nachzusehen, was das gewünschte Shop-System von Haus aus ins Rennen bringt. Einfach die Demo-Version testen und nachsehen: Produktdarstellung? Kategorien? Suche? Checkout? Klassiker für komplexere Anforderungen: Gutscheine (es gibt 1.000 Varianten, siehe meine Gutscheine-Checkliste), konfigurierbare Produkte, Versandkostenregeln, Kundengruppenpreise, B2B-Bestellungen, spezielle Produktdarstellungen (siehe zB das Cover bei HOANZL oder den Raumkonfigurator bei meinechterperser.com), Donwnloadprodukte … Meistens kann man die Features in drei Gruppen einteilen:

  1. Spezielle Features, bedingt durch das Geschäftsmodell
  2. Spezielle Features, bedingt durch den Wunsch nach Alleinstellung und perfektem Service
  3. Nice-to-haves

Erstere müssen sein, zweitere machen Sinn, wenn sie erschwinglich sind und die dritte Kategorie würde ich zur (Budget-)Not weg lassen.

Die Faustregel für die Kosten eines Online-Shops

Wo ist nun der allumfassende Shopkostenkalkulator? Den bringe ich leider auch nicht auf die Reihe :). Ich sage Kunden zu Beginn meist Folgendes: Ein professionelles Setup mit Standard-Features in einem Standard-Theme mit Deployment (Entwicklungs-/Test-/Live-Umgebung) kostet bei uns irgendwo ab EUR 7.500 exkl. USt. Und die Kosten für größere Projekte teilen sich in etwa zu gleichen Teilen auf Design, Warenwirtschaftsanbindung und Features auf. Wenn nun Custom-Design und Warenwirtschaft entfallen, wird es entsprechend günstiger. Die Frage nach der Lizenz entfällt, weil wir eben immer auf Magento in der kostenlosen Community-Edition setzen. Dafür muss ein ordentliches Hosting mit einem dedizierten Server her. Managed, mit Backupstrategie auf jeden Fall über EUR 200 exkl. USt. pro Monat. Typische Projektkosten bei größeren Shops EUR 20.000-50.000 exkl. USt. Je nach Ausprägung, nach oben wie immer alles möglich. Und nicht darauf vergessen, dass am Ende noch Geld für das Online-Marketing (SEO, SEA, SMO, SMM, Online-PR …) übrig sein sollte.

Meine Empfehlung zum Schluss: Lieber erst alle Fakoren in Ruhe durchdenken und zu Projektbeginn in zwei Beratungstage investieren. Dann erst Kostenvoranschläge einholen als auf Basis von unvergleichbaren Angeboten oder nicht-passender Anfragen entscheiden. Ich stehe gerne zur Verfügung :)

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