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eSport Online Marketing Potential

In meinem letzten Beitrag habe ich ja schon grob erklärt, dass hier schon längst nicht mehr mit kleinen Zahlen jongliert wird. Und dabei die offene Frage in den Raum gestellt, was das für uns als Agentur, die sich mit Targeting aber auch Content Marketing beschäftigt bedeutet bzw. welche Synergien sich für werbetreibende Unternehmen eröffnen.

Als Reaktion darauf habe ich einige Rückmeldung erhalten, die ich nun in diesem Beitrag als groben Überblick zusammenfassen möchte.

Was ist eSports?

Beginnen wir der Vollständigkeit halber mit einer kurzen Definition, eSports oder auch E-Sport definiert grob erklärt sportlichen Wettkampf in Computerspielen. Dabei erreichen die Fähigkeiten der Athleten (manche stoßen sich immer noch an diesem Begriff) ein Level, das vergleichbar mit dem von Profis in traditionellen Sportarten ist.

Overwatch Finale am Electronic Sports Festival in Wien (März 2018)

Wie z.B. beim Skifahren spezialisieren sich Spieler dabei auf eine Disziplin/Spiel, in der sie besonders hervorstechen. Neben der Übung im Spiel gehören dazu auch mentales und körperliches Training. Richtig gelesen, Teameigene Fitness Coaches und Sportpsychologen gehören in der Profiszene ab einem gewissen Level schon zum Standard, Trainingseinheiten dauern 8 bis 12h (je nach Disziplin über einen Zeitraum von mehreren Monaten). Dazu kommen obligatorische Termine wie Fan-Treffen, Messe Auftritten und Turnierteilnahmen.

Wen interessiert das?

Mehr Menschen, als man glauben mag. Twitch (eine der größten Streaming Plattformen weltweit bzw. die Größte im westlichen Raum) verzeichnete im Jahr 2017 über 15 Millionen Unique Daily Visitors. Über eine Million Menschen gleichzeitig sahen sich dabei das Grand Final das Major Events von Counter-Strike: Global Offensive an. Die Übertragung der Weltmeisterschaft von League of Legends konnte weltweit über 80 Millionen Menschen vor den Bildschirm locken, das Finale verfolgten knapp über 55 Millionen Menschen gleichzeitig.

Und der österreichische Markt?

Laut Twitch wurden 2017 alleine in Österreich ca. 500.000 Unique Devices mit einem Wachstum von ca 25% zum Vorjahr dokumentiert. Werfen wir einen Blick auf die demografischen Merkmale. So sind 79% männlich, ca. 83% in der Altersgruppe 14-29 und mehr als 30% erreichen akademisches Bildungsniveau. Zum Vergleich: der ORF erreichte 2016 in der vergleichbaren Zielgruppe 12 bis 29 zur Primetime knapp 20% in dieser Zielgruppe. Wenn wir davon ausgehen, dass die TV Nutzung sich gleichmäßig auf die Geschlechter verteilt, kann man von einer ORF Reichweite von ca. 165.000 bei den jungen Männern ausgehen. Uns liegen dazu zwar keine Daten vor, aber unter der Überlegung, dass Twitch sowohl zu Hause auf dem PC als auch unterwegs am Handy läuft sind 250.000 Unique User auf Twitch keine unrealistische Annahme. Das macht eSports vor allem für die Erreichung einer jungen männlichen Zielgruppe äußerst interessant.

Quelle(n):

Infografik eSports

eSports Infografik

Genug langweilige Zahlen, her mit den eSports Marketing Maßnahmen

Die Möglichkeiten einer Marke, mit der Zielgruppe im eSports Marketing in Kontakt zu treten sind zahlreich, nachfolgend möchte ich einige sehr schöne Use-Cases vorstellen.

Gründe dein eigenes Team

Es ist nicht so einfach wie es nahe liegend ist. Ein eigenes Team zu gründen will wohl überlegt sein. Ein tolles internationales Beispiel, wie so etwas aussehen kann, wäre das Team Roccat. Das Unternehmen dahinter hat als Peripherie Hersteller früh das Potential erkannt, auf diese Art Reichweite in seiner relevantesten Zielgruppe zu erreichen. Obwohl sie in der LCS eher zum Mittelfeld gehören, haben sie doch eine respektable Fanbasis aufgebaut, was nicht zuletzt an Ihrem wirklich ausgezeichneten Community Management liegt. Auf Reddit trägt er die Bezeichnung „Roccat Reddit Guy“ und ist DAS Role Model für alle anderen Teams, die sich im Community Engagement auf Reddit versuchen. In Österreich gibt es mit Bet-at-home eSports einen ersten vergleichbaren Ableger, der erst vor kurzem auf dem ESF in Wien erste Erfolge im Finale des dortigen Overwatch Turniers verbuchen konnte.

Wichtige Überlegungen zur Gründung eines eigenen Teams:

Die Erhaltung so eines Profi-Teams inklusive Infrastruktur ist nicht billig und sollte auf keinen Fall kurzfristig konzeptioniert sein. Es empfiehlt sich also dann, wenn man nachhaltig in die Szene investieren will bzw. für engeren Kontakt mit der relevanten Zielgruppe. Die Investition zahlt sich dann aus, wenn das Team so erfolgreich ist, dass eine Fanbasis entsteht und Erwähnung in den Medien findet. Ein eSports Team eignet sich auch hervorragend zur Markenbildung.

Sponsore ein Team

Simple as that, wer nicht das Budget oder die Manpower für den Aufbau ein eigens Team hat, kann stattdessen wie beim traditionellen Sport auf Sponsoring zurückgreifen. Das spiegelt sich unter anderem durch Sichtbarkeit des Logos auf den Trikos wieder. Was man zusätzlich bedenken kann: nachdem die Szene gerade stark im Wachstum ist, sind neue Partner generell gerne gesehen und werden in der Community offen begrüßt. Ein schönes Beispiel bildet dafür die Partnerschaft zwischen dem erfolgreichen Team Solomid und Gillette, die dazu gleich einen passenden Werbespot produziert haben.

Auch in Österreich finden sich mittlerweile solche Partnerschaften, so haben sich die Tickling Tentacles beispielsweise mit Willhaben zusammen getan.

Was sollte man beim Sponsoring beachten:

Gratis Mousepads und Getränke sind schön, aber nutzlos. Besser sind Gegenleistungen, welche in die Infrastruktur oder den Betrieb des Teams einzahlen. Darunter fallen klassische Geldzuwendungen als auch Bereitstellung von Räumen, Personal, oder die Übernahme von Transportkosten. Für die Auswahl des zu unterstützenden Teams sollte nicht nur auf die Erfolge geachtet werden. Wie bei Fußballmannschaften können sich einzelne Spieler zu besonderen Publikumslieblingen entwickeln, entweder sie haben ihre Eigenmarke schon positioniert oder sind noch dabei. Ein Sponsoring ist jedenfalls die Grundvoraussetzung für eine Reihe weiterer interessanter eSports Marketing Maßnahmen.

Content Marketing

Egal ob mit einem eigenen Team oder im Zuge eines Sponsorings, es ergeben sich spannende Optionen im Content-Marketing. Falls ein Team noch keinen eigenen YouTube Channel besitzt, lohnt es sich unter Umständen, im Zuge der Zusammenarbeit einen solchen aufzubauen.  Neben spielerischen Highlights haben Fans ein großes Interesse, abseits Einblicke in das Teamleben zu gewinnen, um so ihren Idolen noch näher sein zu können.

Ein nettes Beispiel bildet Team Liquid:

Es gehört mittlerweile fast schon zum guten Ton von etablierten Teams (weitere Beispiele: FNATIC Life of LegendsTSM: Legends oder Cloud9 Reloaded), eine Art begleitende Doku zur laufenden Saison zu produzieren. Gerade der Wunsch nach Blicken hinter die Kulissen eines Teams bietet viele Möglichkeiten zu spannenden Video gestützten Formaten.

Die Tatsache, dass die Spieler jetzt nicht unbedingt begabte Schauspieler für solche Spots sein müssen, ist mit der entsprechenden Inszenierung kein Nachteil:

Unterstütze die Szene

Coca Cola hat als eine der größten Marken weltweit früh damit begonnen, in eSports allgemein zu investieren. So treten sie als Hauptsponsor verschiedener großer Events auf und unterstützen Medien wie IGN mit ihrem eSports Weekly Format. Unter allen von Coca Cola geführten Twitter Accounts rangiert @cokeesports an zweiter Stelle hinter dem Hauptaccount @cocacola. Aber auch in Österreich haben viele Unternehmen das Potential erkannt. A1 hosted eine regionale Profiliga für League of Legends. T-Mobile unterstützt zusammen mit dem Veranstalter DocLX das Electronic Sports Festival, bei dem auch unser Kunde NEOH mit einem Team vor Ort war. Und auch UPC ist mit dem Portal www.esports.at mittlerweile in der Szene involviert.

Neoh am Electronic Sports Festival

Too long, didn’t read

Um das ganze noch einmal kompakt zusammen zu fassen:

Steemit Link: https://steemit.com/deutsch/@limesoda/esport-in-oesterreich

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