LimeSoda Blog

dmexco 2012 – Buzzwords

@dmexco

Auch 2012 besuchte ich die dmexco in Köln, die digitale Leitmesse Europas. In diesem Blogpost biete ich weder eine umfassende Zusammenfassung sondern gebe einen kurzen, subjektiven Überblick.

Die dmexco 2012

570 Aussteller, 350 Speaker, 150 Stunden Live-Programm und 20.000+ Besucher. Die Stadt Köln im Ausnahmezustand. Die dmexco ist bestimmt die mit Abstand größte Messe diesseits des Atlantiks. Meiner Meinung nach waren die Stände der Aussteller 2012 noch pompöser als im Vorjahr, es wird sehr viel Geld in den Messeauftritt investiert. Die größeren Stände bewegen sich dabei weit jenseits der EUR 100.000-Marke für die beiden Ausstellungstage. Viel unter EUR 10.000 spielt sich gar nichts ab.

Von den Speakern habe ich nur wenige gehört, davon waren einige Vorträge nett-belanglos, andere schon ganz interessant. Von absoluten Highlights wurde zumindest mir nichts berichtet.

Neue Buzzwords/Trends?

Kein Anspruch auf Vollständigkeit, aber diese Begriffe bzw. Trends sind mir immer wieder begegnet:

Customer Journey

Mir viel auf, dass sich viele Vorträge und auch Stände um das Thema „Customer Journey“ drehten. Es geht also darum alle Berührungspunkte der Kunden mit der eigenen Marke erstens überhaupt zu kennen und zweitens zu optimieren. Moderne Tracking-Lösungen ermöglichen die nahezu lückenlose Verfolgung der Kunden. Dies führt auch zu einem Wust an Daten, der analysiert werden muss („Big Data„). Kennt man erstmal alle Wege, tun sich sofort interessante Fragen auf. Beispielsweise fragt man sich, ob der „Last-Cookie-Counts“-Ansatz, wie er im Affiliate-Marketing gelebt wird noch zeitgemäß ist. Es zeigt sich, dass Kunden zum Beispiel erst in Suchmaschinen Anfragen ausführen, später auf einer Website auf ein Banner klicken und dann vielleicht im Shop einkaufen. Stoßen sie dort auf ein Gutschein-Formularfeld, unterbrechen sie den Checkout und suchen erneut in der Suchmaschine nach einem passenden Gutscheincode. Finden sie den, erhält der Affiliate mit dem Code die gesamte Provision. Angesichts der Customer-Journey wohl nicht der Weisheit letzter Schluss. Hier werden die Erkenntnisse wohl zu Änderungen in der Gestaltung der Webauftritte und möglicherweise auch bei den Abrechnungsmethoden führen. Abhängig vom erfolgreichen Kaufabschluss wird übrigens zwischen „Customer Journey“ und „User Journey“ unterschieden.

ZMOT

Den Begriff „ZMOT“ wird der „Zero-Moment-of-Truth“ bezeichnet. Begriffserfinder Google bezeichnet damit jenen Moment, in dem im E-Commerce die Kaufentscheidung gefällt wird. Warum fällt also die Entscheidung für eine bestimmte Marke bzw. für ein bestimmtes Modell? Damit ist der ZMOT Teil der zuvor angerissenen Customer Journey und direkt vor dem „FMOT„, dem „First Moment of Truth“ gelagert. Mehr zu diesem Thema findet sich auf der Google-Website www.zeromomentoftruth.com, auf der auch E-Books und Tools angeboten werden.

Marketing Ingenieure?

Die Datenflut im Online-Marketing steigt exponentiell an. Heute werden jährlich mehr Daten gesammelt als in der gesamten Menschheitsgeschichte bis zum Jahr 2003. „Big Data“ bezeichnet diesen Umstand. Die möglichst zeitnahe Auswertung der gesammelten Daten, das Fällen der richtigen Entscheidungen und die rechtzeitige/automatische Bereitstellung passender Kampagnen sind aktuell die größten Herausforderungen. Auf der dmexco wurde viel darüber diskutiert, wie die Zukunft des Marketings aussehen wird. Werden weiterhin auch subjektive Entscheidungen von Menschen das Marketing bestimmen oder werden aus den heutigen Marketiers eher „Marketing-Ingenieure„, deren Hauptaufgaben die Auswertung von quantitativen Daten  und die Automatisierung von Marketingabläufen sein werden. Niemand weiß es heute. Weitgehende Einigkeit herrscht aber darüber, dass CMOs (Chief Marketing Officers) bald mehr für IT ausgeben werden als CIOs (Chief Information Officers).

Kauf auf Rechnung

Ich hatte mir für die dmexco einen E-Commerce-Schwerpunkt gesetzt, da bei LimeSoda Online-Shop-Projekte gerade sehr stark nachgefragt werden. Ein Aspekt dabei waren die zahlreich vertretenen Anbieter von Online-Zahlungsmöglichkeiten. In Deutschland ist dabei ein starker Trend zur Zahlung auf Rechnung zu erkennen. Dabei bieten die Zahlungsanbieter den Shopbetreibern die Möglichkeit, gegen die Zahlung eines Disagios (Fixbetrag + prozentuelle Gebühr) eine Zahlungsgarantie zu übernehmen. Sie prüfen dabei auf Einzelkundenbasis die Kreditwürdigkeit und entscheiden dann on-the-fly ob dem betreffenden Kunden der Kauf auf Rechnung angeboten wird. Die Höhe des Disagios berechnet  sich dabei auch nach dem Branchenrisikos des Händlers und nach Bestimmgrößen wie dem durchschnittlichen Warenkorb. Der Kauf auf Rechnung kann in gängige Online-Shops (zB Magento) meist direkt über Extensions eingebunden werden, die vom Zahlungsanbieter kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich ist aber auch die Einbindung über Services von Payment-Solution-Providern (PSPs) möglich. Während in Deutschland schon große Konkurrenz zwischen vielen Anbietern herrscht, ist der Kauf auf Rechnung in Österreich erst bei wenigen Anbietern erhältlich. Grund ist die unterschiedliche Datenlage hinsichtlich der Prüfung der Kreditwürdigkeit von Konsumenten (Stichwort „Schufa„). Dennoch planen alle Unternehmen die Expansion nach Österreich. Für Händler lohnt sich in jedem Fall der Vergleich, die meisten Anbieter dürften auch verhandlungsbereit sein.

Nachwort

Für mich hat sich der Besuch in Köln auch heuer wieder ausgezahlt. Interessante Gespräche an den Ständen begeisterten mich mehr als die Vorträge. Die oft bemängelte logistische Abwicklung fand ich erträglich. Es ist schon eine Leistung, eine Messe dieser Größenordnung durchzuführen. Dass es in Stoßzeiten zu Schlangen vor Taxis oder der Gepäckabgabe kommt, wird wohl niemanden überraschen. Man kann dem auch ganz gut entgehen (Gepäck im Hotel lassen, mit dem Messebus zum Bahnhof fahren und dort ins Taxi …). Das frei verfügbare WLAN ist untertags kaum zu gebrauchen. Das ließe sich noch verbessern. Aber sonst passt alles und wenn man seinen Tagesablauf nicht im 5-Minuten-Takt plant kann man es auch relaxt angehen. Den Abend verbrachten wir nicht auf der „Langen Nacht der Ösis“ auf der „offiziellen dmexco-Party“ sondern in der wirklich ausgezeichneten elsässischen Weinstube „Der Wackes“, die ich hiermit ausdrücklich empfehle („Überraschungsmenü“). Uns Ösis sieht man eh hier in Österreich und im Flugzeug nach und von Köln.

Übrigens: MySpace lebt und wird kommendes Jahr total relaunched. Der Messestand war groß und sah schon mal gut aus. Man darf gespannt sein :)

Wer war noch bei der dmexco? Wie war euer Eindruck?

Noch keine Bewertungen.