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Das war die Digital Visions 2012

Am 12.Oktober lud die Wiener Web Agentur Liechtenecker ins Bene Office im 1. Bezirk zur 1. Webkonferenz Digital Visions – und wir waren dabei!

Das Interesse in der Branche war offensichtlich groß, die auf knapp über 100 limitierte Teilnehmeranzahl rasch ausgebucht – doch Matthias, Phuc, Rudi und ich schafften es dennoch, Plätze zu ergattern.
Angesetzt als „Webkonferenz mit Barcamp-Charakter“ durften die TeilnehmerInnen bis 2 Wochen vorher Themenvorschläge passend zu den Bereichen Web-, User Interface Design und Frontend-Entwicklung einreichen.

Der Beginn war für 9 Uhr morgens angesetzt. In der halben Stunde, die man vorher in das Gebäude durfte, hatten wir schon mal die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen bzw. bestehende zu pflegen und sich – sehr angenehm – bei Kaffee (und Apfelstrudel) geistig fit zu machen.

Der Vormittag

Wir starteten ziemlich pünktlich mit knappen einleitenden Worten des Veranstalters Jürgen Liechtenecker selbst, in denen er uns einen Überblick über das Programm des bevorstehenden Tages gab.

Der erste Fachvortrag zum Thema „HTML5 und CSS3-Animationen“ von Stephan Schimpf bot einen lockeren Einstieg in die neuen Möglichkeiten, Animationen (ganz ohne Flash) zu gestalten. Neben der syntaktischen Basics wurde außerdem auch die Browserunterstützung der einzelnen Attribute beleuchtet.
Da wir zu diesem Thema bereits hausintern eine Fortbildung (eine sogenannte „LimeAcademy“) hatten, bot sich mir rein fachlich daraus nicht allzu viel Neues. Es war allerdings ein guter Einstieg für den kommenden Beitrag und die Wissensauffrischung tat auch gut.

Mit sehr viel Witz und ausdrucksstark unterstützt von Captain Picard (Star Trek) ließ Stefan Baumgartner die Entwicklung eines Mobile Frontend Revue passieren und holte uns aus der Euphorie über die neuen technischen Möglichkeiten nun wieder auf den Boden der Realität zurück. Er beleuchtete dabei die im vorangegangenen Vortrag theoretisch vorgestellten neuen HTML-, CSS-Elemente und Media Queries im praktischen Einsatz und zeigte, dass – ganz abgesehen von der lückenhaften Browserunterstützung – noch einige andere Steine im Weg liegen, die auch weiterhin die Lösungskreativität der Entwicklergemeinde fordern werden.
Die Entscheidung gegen ein Framework wie z.B. jQuery Mobile fiel dabei ganz bewusst mit der Begründung, dass dieses für viele Anwendungsfälle zu aufgeblasen sei. Mobil zählt nach wie vor sowohl für die Download- als auch die Ausführungsgeschwindigkeit jedes einzelne KB. Interessantes (oft nicht bedachtes) Detail am Rande: Es verbraucht außerdem eine beachtliche Menge an Strom – ganz konkret kostet 1x Ausführen von jQuery Mobile bei iOS 0,02% der Gesamtbatterieleistung.
Stefans Fazit: Es tut sich einiges bei den mobilen Browsern und geht auch in die richtige Richtung. Für komplexere Apps oder Spiele ist die Unterstützung für HTML5/CSS3 dennoch noch nicht ausreichend und ein Ausweichen auf native Apps leider nach wie vor notwendig.

Eine interessante Diskussion entbrannte über meine Frage, wie denn die KollegInnen ihre mobilen Webseiten betriebssystem-/browser-/versions-/geräteübergreifend testen. Obwohl am Markt dafür Simulatoren angeboten werden, herrschte Einigkeit darüber, dass im Detail (z.B. Touch-Events) nichts über das Testing mit echten Geräten geht.
Doch wer kann es sich leisten, jedes relevante Gerät mit jeder relevanten Konfiguration selbst anzuschaffen und zu warten?
Einer der Teilnehmer, Sindre Wimberger, will diese Problematik durch die Gründung eines Open Device Labs in Wien nach dem Vorbild anderer Städte wie z.B. Helsinki, London oder Berlin entschärfen. Der Grundgedanke ist dabei, dass es einen für alle InteressentInnen (mehr oder weniger) frei zugänglichen Ort gibt, an dem eine möglichst breite Palette mobiler Endgeräte zur Verfügung steht, auf denen die EntwicklerInnen ihre mobilen Kunstwerke dann testen können. Sindre ist bzgl. der Örtlichkeiten und der Anschaffung von Smartphones bereits mit ptentiellen KooperationspartnerInnen im Gespräch. Auch wenn viele Details dabei noch nicht ausdefiniert sind, halte ich es für eine unterstützenswerte und ehrgeizige – aber trotz kritischer Stimmen – sehr wohl realisierbare Idee (es scheint in anderen Städten ja bereits zu funktionieren, warum also nicht auch in Wien?).

Der ursprünglich als 4. vorgesehene Vortrag „Von der digitalen Wüste zur Service-Oase“ wurde aus organisatorischen Gründen spontan vorgezogen. Hier gab uns Marco Zlousic vom bfi Wien detaillierte Einblicke in den noch laufenden Relaunch ihrer eigenen Unternehmenswebseite.
Marcos Kernaussagen: Zuerst die Webseite strukturell und inhaltlich auf Vordermann bringen, dann mit Online Marketing und Social Media beschäftigen (denn das Ziel soll sein, die User auf die eigene Webseite zu bringen). Und: Nicht ewig nach „der“ Lösung suchen, sondern einfach mal beginnen und dann Step by Step verbessern.

Mein persönliches Highlight des Tages war David Höller mit seinem Vortrag zu User Experience Design (leider ist ausgerechnet hier die Präsentation zurzeit nicht online zu finden). Auch er baute seinen Vortrag auf einem realen Fallbeispiel auf, und zwar der „Mein A1“-App. Ziel war dabei die Lieferung eines High-End-Prototyps, die technische Umsetzung erfolgte bei A1 In-House.
Davids Kernaussagen (sinngemäß):

  1. Interessiere dich für das Problem deiner Kunden. – so einfach das im ersten Moment klingt, so wichtig ist es. Um gute Lösungen zu finden, muss man zuerst die zugrunde liegende Thematik verstehen. Sie machten das bei A1 damals so, dass sie sich 500 (anonymisierte) Endkundenrechnungen schicken ließen und anhand dieser dann die typischen Probleme der Kunden, wegen derer sie dann auch bei der Service Hotline anrufen, studierten.
  2. Hab Mut zur Lücke. – Dinge, die man in ersten Skizzen noch nicht weiß, bewusst offen lassen, keine Pseudo-Genauigkeiten implementieren, solange diese nicht geklärt sind.
  3. Fladern ist erlaubt. – Da die Problemstellung jeder Applikation mehr oder weniger einzigartig ist, kann man Lösungen sowieso nur begrenzt wiederverwenden. Das Rad muss aber nicht immer neu erfunden werden.
  4. Kenne die Regeln. – So kannst du sie einhalten – oder bewusst brechen.
    Darum:  Interface und (Mobile) Design Guides lesen, sowohl Apple als auch Microsoft haben hier Interessantes zu sagen. Ebenfalls empfehlenswert: Das Buch „Scetching User Experiences“ von Bill Buxton. (Liegt schon neben mir :-)
  5. Verwende den Goldenen Schnitt.
  6. In die Details gehen. – Wireframes sind gut und haben ihre Berechtigung, ein wirkliches Gefühl für das Interface erhält man aber erst, wenn man die Details ausdefiniert.
  7. Dokumentiere und argumentiere deine Design-Entscheidungen. – Denn nur so kann sie der Kunde verstehen.
  8. Verwende echte Texte. – Lorem Ipsum-Texte verwirren den Kunden. Echttexte machen den Prototyp verständlicher und somit besser. Auch wenn die meisten Kunden zu Beginn das Wording alleine machen wollen, brauchen im Endeffekt alle Unterstützung dabei.

Bei aller Anstrengung seitens der Agentur muss das Projekt natürlich aber auch immer kundenseitig mitgetragen und unterstützt werden.

Der Nachmittag

Nach der Mittagspause mit wirklich köstlicher Verpflegung ging es weiter mit einer von Susanne Liechtenecker moderierten Diskussionsrunde. In den Raum gestellt wurden dabei Fragen, ob mobile Webseiten nur reduzierten Inhalt anzeigen sollten, die Sinnhaftigkeit von QR-Codes,… Zusammengefasst war das Fazit, dass es auf den Anwendungsfall ankommt. Nur weil man es technisch kann, ist es noch lange nicht gut, im Endeffekt erfolgsentscheidend ist das dahinterstehende Konzept und ob man es schafft, dem User das zu liefern, was er jetzt gerade braucht.

Der Vortrag der beiden Medientechnik-Studentinnen der FH St. Pölten Lisa Gringl und Carina Skladal beschäftigte sich mit dem Thema Typografie im Web. Konkret ging es dabei um Webfonts, ihrer Einbindungsmöglichkeiten heute, aber auch einen kleinen Ausblick, worauf wir uns in Zukunft freuen können.

Gergely Teglasy mischte mit seiner – vermutlich bewusst – provokant vorgetragenen, radikalen Theorie, den kreativen Prozess komplett von dem der technischen Umsetzung zu entkoppeln, die Runde gehörig auf. Seiner Meinung nach kann nur dadurch Überdurchschnittliches abseits von den ausgetretenen Pfaden zustande kommen. Er erntete dafür – besonders seitens der EntwicklerInnen – naturgemäß nicht nur Zustimmung. Dennoch – oder gerade deswegen – kam es zu einem lebhaften Austausch mit der ein oder anderen interessanten Wortmeldung.

Monika Greil stellte sich und uns die schwierige Frage „Was ist gutes Webdesign?“. Sie hat begonnen, sich der Antwort mittels einer subjektiven Checkliste in Form eines WikiBooks anzunähern. InteressentInnen sind aufgerufen, sich an der Erweiterung und Verbesserung des Katalogs zu beteiligen. Die Idee finde ich toll, einziger Wehrmutstropfen des Vortrags war die Präsentation – die Folien waren überladen mit zu viel klein gedrucktem Content und luden nicht gerade dazu ein, sich damit näher auseinanderzusetzen -doch das kann man nun ja noch nachholen.

Nach einer kurzen Kaffeepause mit unwiderstehlichen Kalorienbomben beschäftigten wir uns mit der Thematik Live concurrency, also den Möglichkeiten von Parallel-Kommunikation und Echtzeit-Kollaboration im Web. Neben dem wohl bekanntesten Beispiel Google Docs wurden Lösungen wie Wave in a Box (Google Wave lebt darin weiter), die JavaScript-Library shareJS, sowie etherpad-lite vorgestellt.
Axels Fazit: DIE glücklich machende Lösung hat er noch nicht gefunden, alle vorgestellten Alternativen haben ihre Stärken, sind aber auch noch buggy und verbesserungswürdig.

Zum Abschluss kam nochmals Sindre Wimberger zum Thema Open Data Maps zu Wort. Er zeigte, dass man mit recht wenig Aufwand und wenigen Zeilen Code auch selbst brauchbare Landkarten erstellen und sich so unabhängig von Google Maps machen kann. Für die ganz bequemen unter uns stellt er ein Tool  zur Verfügung, das einem sogar diese Arbeit abnimmt.

Mein persönliches Fazit

Durchaus positiv.
Die Vorträge waren hörenswert, es kam immer wieder zu angeregten Diskussionen und produktiven Beiträgen auch aus dem Publikum. Für mich war dabei auch immer besonders interessant zu hören, wie andere aus der Branche bestimmte Aufgaben, vor denen auch wir stehen, lösen.
Die Location war für die Teilnehmeranzahl in Ordnung, nur beim Buffet in den Pausen gab’s Platzmangel und Gedränge (wahrscheinlich wegen der leckeren Verpflegung ;-). Schade fand ich, dass der zweite zur Verfügung stehende Raum für Parallelveranstaltungen praktisch nicht genutzt wurde.

Und (wie) geht’s weiter?

Dass es 2013 eine Fortsetzung geben wird, hat Jürgen Liechtenecker schon in seinem Blogpost zur heurigen Veranstaltung mit seinem Abschlusssatz „Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Digitalvisions 2013!“ verraten. Ich kann dazu nur sagen: Ich (freu) mich auch. :-)

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